2. Treffen der Freilichttheater CH-Europa  
 
 

Der Preis für das höchste Innovationspotential geht an T-RAUMFAHRT, Zürich/Turtmann VS


Das Orakel von Turtmann
Konzept: Elisabeth Wegmann, Spielleitung Martina Hasler, Regina Graber

Mit folgender Begründung:
Eine Freude, wie konsequent die Truppe ihre eigene Arbeitsweise, die Szenographie, weiterentwickelt,
ohne im jeweiligen Projekt die vorgefundene Situation aus den Augen zu verlieren. «Das Orakel von Turtmann», eine Auftragsarbeit ursprünglich, mit der Vorgabe, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
der kleinen Walliser Gemeinde zu thematisieren, wurde als Aufforderung zu einer vielseitigen Recherche genutzt: Dorfgeschichten, Hexenprozesse, Sagenfiguren, Brauchtum, aber auch Erforschung von Hand-
festem, Auskundschaften von Bauwerken und ihrer wechselvollen Geschichte, Befragungen von An-
sässigen, erste gemeinsame Spielversuche …
Die respektvollen Begegnungen von urbanen Theatermachern mit Leuten aus einer ländlichen Randregion sind dem «Orakel von Turtmann» eingeschrieben, als wesentliches Element der Szenografie, genauso
wie die Lichtinstallationen, eine Orakelmaschine, Tableaux vivants in alten Herrschaftshäusern, kurzen Szenen, Klangsprache in Minimal Art – all dies exakt zu einem stimmigen Rundgang zusammengebaut
und verschiedentlich konfrontiert mit den Wünschen heutiger Turtmänner und Turtfrauen.

Urkunde


Der Preis für eine herausragende Leistung geht an die Kulturinstitution Origen, Bivio GR

La Regina da Saba
Buch und Regie Giovanni Netzer / Komposition Lorenz Dangel
Kostüme Martin Leuthold, Deniz Ayfer Ümsu

Mit folgender Begründung:
Ein Gipfeltreffen, in jeder Hinsicht! Die Jury ist entzückt vom mutigen und gelungenen Versuch, den
Julierpass zu bespielen. Und dies mit der nötigen Stringenz: Weil Wind, Witterung und Temperaturen
dort oben die Ästhetik weitgehend bestimmen, so dass von vielen denkbaren Formen einzig Bewegungstheater machbar bleibt: Tanz. Im klassisch-modernen Festspielhaus, einem Säulenbau mit
Sicht aufs Alppanorama. Mit unsagbar schönen Kostümen und einer eigens geschaffenen Komposition,
aus Geräuschen vom Ort des Geschehens (Wind, Geröll, Bergstrasse), lang gezogenen Obertönen,
Zitaten aus klassischer Musik.
Erzählt wird zunächst mit grosser Distanz. Eindrücklich indessen, wie das Augenmerk trotz Weitwinkels – einer langgezogenen Szenerie – sich immer wieder auf Details richtet, das Himmel- und Höllspiel des Mädchens etwa, die Tigerkatze, auf kleine Verstimmungen, die Gänge des personifiziert Guten und
Bösen auf der eindunkelnden Alpwiese.
Mit der Geschichte der Königin von Saba wird viel über Begegnungen mit dem Fremden erzählt. Das
Fremde als Faszinosum und als Bedrohung, als Störung des Gleichgewichts, was in tödliche Gewalt
ausartet.

Urkunde

Le troisième prix va au Théâtre du Croûtion, Le Bouveret VS


Les Brigades du Tigre
Texte Alexis Giroud / Mise en scène Olivier Duperrex
Scènographe et peinture décor Nicolas Imhof

Avec la motivation suivante
Ce qui nous a conquis, c’est son plaisir de jouer. De même que le rythme endiablé et la manière avec
laquelle des amateurs ont engagé leur potentiel de jeu. Et encore que, visiblement, des jeunes gens
sont venus grossir les rangs de la troupe, une catégorie d’âge plutôt rares chez les amateurs, et ça,
ça mérite d’être salué.
La Belle époque de Paris est évoquée avec les moyens les plus divers. On n’a reculé devant aucune
audace pour faire revivre ce monde légendaire, avec les chansons appropriées, des danses et des
effets cinématographiques, avec des costumes à la Toulouse-Lautrec, des accessoires soigneusement
choisis et des décors démesurés constitués d’immenses panneaux mobiles peints montés sur roues
déplacés sans bruit et avec précision donnant à voir les quartiers de Paris.

Urkunde